Camille de Peretti erzählt in "Wir werden zusammen alt" einen Sonntag in einer Pariser Seniorenresidenz
Der Roman führt durch einen Sonntag in einer Seniorenresidenz, ohne dass es anstrengend, heikel oder öde wird. Man vergesse alle Vorurteile über Altersheime - hier lebt auf jedem Quadratmeter die Eigenständigkeit des Augenblicks. Kurzweilig wird über 64 Kapitel von Bewohnern, Besuchern und Angestellten erzählt. Rund um den Empfang ist "alles gelb tapeziert", die Briefmarkensammlung des Direktors beträgt zwanzig Alben, mit Josy aus Guadeloupe tanzt der Putzlappen Walzer und mittags wird Wein serviert - "ein Rachenputzer in Karaffen aus Supermarktkristall".
Les Bégonias in Paris ist kein Haus gehobener Klasse. Es ist aber gepflegt und bietet sogar Cola light im Automaten.
>> weiterlesen
Den Journalismus plagen
Glaubwürdigkeits- und Finanzierungsfragen
"Journalismus nach der Krise" lotet Unschärfen, Untiefen und Ungereimtheiten aus
Viel ist in den letzen 20 Jahren darüber geklagt worden, dass das System Journalismus in hohem Maße reformresistent sei. Zu sehr hielten seine Vertreter an veralteten Ritualen fest, um sich gegen Begehrlichkeiten zu schützen, mit denen sie tagtäglich konfrontiert werden. Gleichzeitig wuchs die Debatte um Qualitätssicherung im Journalismus, ohne dass deren Auswirkungen die Rezipienten bei der Stange hielten. Sie konnten und können sich anderswo offenbar leichter oder besser bedienen als bei den althergebrachten Zeitungen, denen zuvor schon Werbekunden Budget entzogen hatten. Dazu kommt, dass viele gute Journalisten in die PR-Branche abwandern, oft um einer angemessenen Bezahlung willen. Festangestellte Redak-teure zittern neuerdings vor den Rationalisierungsmaßnahmen der Manager; Freiberufler sehen sich schrumpfenden Honoraren und anderen Widrigkeiten gegenüber. Vor diesem Hintergrund befragten zwei junge Insider 22 Chefredakteure und Medienexperten zu "Journalismus nach der Krise - Aufbruch oder Ausverkauf?" >> weiterlesen
Räume aufschlüsseln und das Tänzelnde genießen
Thomas Ballhausens "Bewegungsmelder" offenbaren präzise Beobachtungen und reflektierte Stimmungen
Mit "Bewegungsmelder" hat Thomas Ballhausen ein Buch vorgelegt, das sich in zwei Teile gliedert. Im ersten Teil - "Fluchtversuche" - geht es um Liebe und wie schwer es ist, sich bei Entfremdung zu entziehen; im zweiten Teil - "Interventionen" - folgt man einem Gedanken-fluss, Schrägstriche setzen hier scharfkantige Schnitte, damit diese Selbstreflexionen einen nicht mitziehen in ungeahnte Fernen und Tiefen. >> weiterlesen
Schweigen ist oberste Wirtstocherpflicht
Ingried Wohllaib entlarvt "Lebenszeitdiebe" der 50er Jahre in ihrem Roman "Gasthauskind"
Sie "hörte von allen Intimitäten des Dorfes in der denkbar derbsten Version" und musste trotzdem Respekt vor den Erwachsenen aufbringen. Isabell, das "Gasthauskind", wächst in der Wirtschaftswunderzeit in der süddeutschen Provinz auf und erlebt die Härten einer Tochter, auf deren Arbeitskraft die Mutter angewiesen ist. Der Vater verdient sein Geld als Viehhändler, ist schweigsam und ungewöhnlich. Packende Milieu-Schilderungen in eindringlicher Sprache erwarten den Leser des Romans von Ingried Wohllaib. >> weiterlesen
Die Maske war seine Aufgabe
Biografie würdigt Theo Lingen als vielseitigen "Medien-Menschen"
Distanziertheit war ihm auf den Leib geschrieben, die perfekt-komische Note des näselnden Dieners ebenfalls: Theo Lingen galt über Jahrzehnte auf der Bühne und im Film als Zugpferd. "Der Schauspieler schien immer um einiges größer als seine Rolle" - wie verdient diese Einschätzung ist, belegen Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen in ihrer Biografie "Theo Lingen. Das Spiel mit der Maske".
>> weiterlesen
Fische und Flugreisende sind kein Widerspruch
Übergangssituationen regen im poetischen Roman "Flughafenfische" von Angelika Overath zum Nachdenken über den Sinn des Lebens an
Wenn sich Fluggäste über die Ziehharmonika-Schläuche aus einer Maschine in einen Flughafen ergießen, hat das optisch eine gewisse Ähnlichkeit mit plötzlich auftauchenden Fischschwärmen. Wasser- und Luftgäste lassen sich also gut zusammen spannen, können sich gegenseitig etwas abgewinnen. Dies beweist Angelika Overath in ihrem Roman "Flughafenfische".
>> weiterlesen
Trauer braucht Zeit und Worte
Ein
Vater erzählt, wie er den Verlust seines Sohnes durchlitt
Manche
Schicksalsschläge sind so schwer, dass man sie erst nach
mehreren Jahren annehmen kann. Was für die Betroffenen schon
unfassbar ist, bringt auch ihre Mitmenschen in Nöte, wenn sie
nicht wissen, mit welchen Worten sie ihr Empfinden so ausdrücken,
dass es nicht noch zusätzlichen Schmerz bereitet. >> weiterlesen
Verdrängen
belastet
Das Leben der Monika Göth
Den Vater
lieben wollen, obwohl man ihn nie kennen gelernt hat. Noch dazu einen
Vater, der unfassbare Verbrechen beging, dafür 1946 verurteilt
und gehängt wurde. Doch da war ja auch die Mutter, die sich
nachträglich (!) mit ihm „vermählen“ ließ... >> weiterlesen