Manfred Bomm über die Präsentation ausländischer Krimis
Der Erfolg gibt den deutschen Krimis recht. Es gibt in der Tat einen sehr großen Leserkreis, der viel lieber in einem Krimi schmökert, der die deutsche Mentalität, das deutsche Gerichtswesen und die Vorgehensweise der deutschen Polizei widerspiegelt, als die Art und Weise, wie in einem anderen Land ermittelt wird. Oft sind es doch allein schon die verwirrenden Personennamen, mit denen man sich schwer tut. Ganz zu schweigen davon, dass man nicht nachvollziehen kann, ob das Beschriebene der Realität entspricht. In einem deutschen Krimi, sofern er gut recherchiert ist, können Sie jedenfalls alles nachvollziehen - vor allem aber die Schauplätze aufsuchen, was meiner Beobachtung nach sehr gerne getan wird. Trotzdem weigern sich viele Buchhändler hartnäckig, diesen Bedürfnissen ihrer Kundschaft gerecht zu werden - eine Vorgehensweise, die ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Denn soweit ich das als Autor überblicken kann, ist die Gewinnspanne bei den deutschen Krimis nicht geringer als bei den ausländischen.
Ich bin bisher nicht dahinter gestiegen, weshalb in den Schaufenstern und den Auslagen zu 90 Prozent nur ausländische Krimis präsentiert werden. Auf diese Weise ist es natürlich kein Kunststück, einen Bestseller zu "puschen", weil der Kunde zu dem greift, was ihm auf Augenhöhe gezeigt wird, während jener Autor, dessen einziges Buch in einem großen Regal unter Buchstaben soundso "versteckt" wird, nur eine geringe Chance hat, wahrgenommen zu werden.
Insofern bin ich davon überzeugt, dass es zunächst nicht darauf ankommt, eine sensationelle Geschichte geschrieben zu haben, sondern viel mehr, ob es dem Verlag gelingt, den Buchhandel davon zu überzeugen - womit auch immer. Diese Erkenntnis habe ich in den vergangenen Jahren gewonnen und konnte feststellen, dass dort, wo beispielsweise mein Krimi gut platziert wurde, die Verkaufszahlen ganz toll waren. Um so mehr staune ich, dass es Händler, sprich: also Kaufleute, gibt, die nicht erkennen wollen, was bei der Kundschaft ankommt und was nicht. Manchmal hab ich den Eindruck, dass der jeweilige Buchhändler seine Kundschaft nach seinem persönlichen literarischen Geschmack "erziehen" will - und allem, was ihm selbst nicht gefällt, eine Abfuhr erteilt.
Ich hab mal das sensationelle Erlebnis gehabt, dass sich bei einer meiner Lesungen in einem kleinen Städtchen die örtliche Buchhändlerin geweigert hat, den Bücherverkauf von so etwas Profanem, wie einem Krimi, zu übernehmen, obwohl von vorherigen Veranstaltungen klar war, dass mindestens 20 oder 30 Bücher verkauft werden würden.
Weil ich natürlich weiß, wie wichtig der Buchhandel ist, meide ich es, selbst Bücher zu verkaufen. Ich möchte bewusst den Handel mit einbeziehen, denn der scheint noch eine viel größere Rolle zu spielen, als man für gemein hin denkt. Schließlich kommt es auch drauf an, welche Buchhandelsvertreter überhaupt empfangen werden - und wie diese wiederum ein bestimmtes Buch präsentieren. Wer diese Mechanismen kennt, wird sich übrigens davor hüten, ein Buch im Selbstverlag herauszubringen oder auch nur die Druckkosten zu übernehmen, wie das einige Verlage anbieten. Was nützen einem ein paar tausend gedruckte Bücher, wenn sie kein Buchhändler abnimmt?
Eine große Chance, viel Bücher abzusetzen, hat jeder, der bereits einen großen Namen hat. Egal, was er schreibt, Hauptsache Fernseh- oder Filmstar, vielleicht auch noch Sportler - er hat die Gewissheit, in die Bestsellerlisten zu gelangen - oder besser: gepuscht zu werden. Denn allein schon wegen seines Namens berichten die Medien im Voraus ausführlich über das Buch. Hätte beispielsweise ein Nobody über den Jakobsweg geschrieben, wäre dem Autor niemals ein solches Medienspektakel zuteil geworden, wie dies jüngst geschehen ist. Ich sag immer: Jeder Prominente, der kein Buch schreibt, ist eigentlich blöd.
Um jetzt keinen falschen Eindruck zu erwecken: Ich will nicht von mir behaupten, große literarische Werke zu schreiben - aber mein Anliegen ist es, die Menschen zu unterhalten. Nicht mit komplizierten Formulierungen, sondern, wie ich es als Journalist gewohnt bin, mit einer klaren Sprache und mit Geschichten, die der Wirklichkeit entspringen und deren Darsteller das ganze Spektrum des bürgerlichen Lebens und dessen Begleiterscheinungen zum Ausdruck bringen. Und um es noch mal deutlich hervorzuheben: So eine Geschichte kann sowohl an der Nordsee, als auch in den bayrischen Alpen spielen und trotzdem ein spannender Krimi sein.
Eines Tages werde ich mir vielleicht den Spaß machen, einen Krimi irgendwo in Amerika spielen zu lassen, wo ich schon mehrfach Urlaub gemacht habe, mir ein englisches Pseudonym zu legen und mir einen fiktiven Lebenslauf andichten, in dem es etwa heißt: Aufgewachsen in Manhattan, als Jugendlicher mit Schutzgelderpressern und Drogenhändlern in Kontakt gekommen, später dann nach dem Studium der Rechtswissenschaften mit der Schriftstellerei begonnen und seit kurzem ansässig in Santa Monica (California). Dann setz ich noch bewusst einige grammatikalische Patzer rein - sozusagen zum Beweis dafür, dass der Roman "aus dem Amerikanischen" übersetzt worden ist. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit würde ich mehr Bücher verkaufen als jetzt von meinem Kommissar Häberle. Wetten, dass?